Verlorene Generation? Von wegen!

Wir sind ständig damit beschäftigt individuell zu sein: Wir trinken veganen Soja-Latte, fahren ein Fixie und backpacken in Usbekistan. Selbstverständlich müssen das alles in sozialen Netzwerken teilen. Wir sind die Generation Y, von der es ein ziemlich eindeutiges Bild zu geben scheint. Aber ticken wir wirklich so, wie alle denken?
Anika
Anika, 20, studiert Medizin

„Ein Vorurteil über uns ist, dass wir sind: Alles muss heute auf Facebook und Instagram gepostet werden; dank Tinder und Co. findet man seinen Partner nicht mehr auf der Kirmes. Ich könnte mir mein Leben ohne Handy auch nicht mehr vorstellen. Ich glaube aber nicht, dass die sozialen Kontakte darunter leiden. Ich kenne viele 20- bis 30-Jährige, die sich in ihrer Freizeit sozial engagieren. Das Vorurteil, dass die Jungen nichts mehr schaffen, finde ich gemein. Es baut eben keiner mehr mit 20 ein Haus, sondern macht einen Bachelor. Meine Oma kann zum Beispiel nicht verstehen, dass ich als Frau in die Uni und nicht arbeiten gehe. Dann muss ich immer erklären, dass Studieren auch Arbeiten ist. Mit meinem Studium komme ich auf mehr als 40 Stunden die Woche.“

 

Konstantin
Konstantin, 24, studiert Musikwissenschaft und Italienisch

„Generation Y, heißt das nicht, dass man orientierungslos ist? Dazu gehört auch sinnloses Feiern. Man hat alle Möglichkeiten und weiß nicht, was man machen soll. Ich bin in einem Freundeskreis, wo Geld und Karriere keine große Rolle spielen. Da gibt es bei einigen schon Konflikte mit den Eltern, weil sie sich Sorgen darüber machen, wovon ihre Kinder später mal leben sollen. Ich sehe, dass sich viele junge Leute von der Masse abheben und sich dabei auch mit anderen messen wollen. Ich habe aber keinen Drang dazu.“

 

 

Omar
Omar, 24, studiert Fahrzeugtechnik

„Ältere Generationen haben keine Geduld mit uns. Ich wurde zum Beispiel von meinem Professor verurteilt. Er hat mir in der allerersten Vorlesung gesagt, ich würde nie Konstrukteur werden, weil ich ein bestimmtes Programm nicht auf Anhieb verstanden habe.“

 

 

 

 

 

Charlotte
Charlotte, 25, studiert vergleichende Kunst- und Literaturwissenschaften

„Alle denken, dass wir uns neu definieren müssten oder dass es bei uns anders laufen würde als vor einigen Jahrzehnten. Ich verbinde damit auch, dass wir über Beziehungskonzepte kritisch nachdenken, weil wir bei der Generation unserer Eltern sehen, dass Heirat oft nicht die beste Lösung ist. Auf jeden Fall steckt der Zweifel in unseren Köpfen; uns scheint das Leben viel schwieriger und ungewisser. Vielleicht müssten die Älteren uns Mut machen und sagen: „Tu es bloß nicht!“ oder vielleicht auch „Doch, du kannst es trotzdem tun“.

Fotos: Martina Krafczyk