Eine Mutter kämpft erbittert für die Wahrheit

Was sind die Zutaten für eine mitreißende Tragikomödie? Die Storyline sollte Humor haben ohne albern zu sein und Drama ohne Kitsch bieten. „Three Billbords Outside Ebbing, Missouri“ erweitert das Genre um ein echtes Meisterwerk.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Mildred Hayes (Frances McDormand) vor den Plakatwänden, die sie im kleinen Ort Ebbing aufstellen ließ. Foto: Merrick Morton, Twentieth Century Fox Film Corporation

„Raped While Dying“, „Still No Arrests?“ und „How Come, Chief Willoughby“. Drei Billboards (amerikanisch für Plakatwände), die das Leben der Gemeinde Ebbing in Missouri für immer verändern sollen. Bezahlt und getextet werden sie von Mildred Hayes (Frances McDormand), deren Tochter Angela sieben Monate zuvor an derselben Stelle vergewaltigt, ermordet und anschließend verbrannt wurde. In Ermangelung weiterführender Hinweise sind die Ermittlungen unter Chief Willoughby (Woody Harrelson) zum Erliegen gekommen. Das kann und will Hayes nicht akzeptieren und versucht den Fall ihrer Tochter mit allen Mitteln wieder in das Licht der Öffentlichkeit zu bringen, um so Angelas Mörder zu fassen. In Ebbing bilden sich schnell zwei Lager – immerhin ist auch der Chief beliebt und ist nicht zuletzt unheilbar an Krebs erkrankt. Als sich dann noch der homophobe, rassistische und zu allem Übel noch völlig unfähige Officer Dixon (Sam Rockwell) der Sache annimmt, ist Chaos vorprogrammiert.

Wie kaum einem anderen Film gelingt es „Three Billbords Outside Ebbing, Missouri“ perfekt, die Balance zwischen Drama und Komödie zu halten, ohne den Zuschauer in seinen pechschwarzen Momenten zu verlieren. Die schnellen Dialoge und beißenden Wortgefechte lassen keine Langeweile aufkommen und sorgen für einen Lacher nach dem anderen.

Dann sind da aber wieder diese Momente, in denen Mildred Hayes Geschichte zu Tränen rührt und die unbarmherzige Ungerechtigkeit der Welt auf den Betrachter niederprasselt. Sie bleibt eine Mutter, die für die Wahrheit kämpft, wenn auch mit bisweilen ungewöhnlichen Methoden. Und wie im Vorbeigehen kritisiert der Film messerscharf die vorherrschenden Strukturen in der Stadt: Machtmissbrauch, Homophobie und Rassismus.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Manchmal muss man Angst haben, dass Mildred Hayes (Frances McDormand) mit ihren Handlungen nicht selber im Gefängnis landet.
Foto: Merrick Morton, Twentieth Century Fox Film Corporation

Seinen Sinn für das Obskure und den schwarzen Humor hat Regisseur Martin McDonagh bereits mit „Brügge sehen…und sterben?“ (2008) und „7 Psychos“ (2012) bewiesen. Mit seinem neuesten Werk treibt er seine bisherigen Ambitionen jedoch zusehends auf die Spitze.

Letztendlich ist es jedoch vor allem Frances McDormand, die sich als verzweifelte Mutter die Seele aus dem Leib spielt, und den Zuschauer mit ihren verbalen (und realen) Kinnhacken das Fürchten lehrt. So nachvollziehbar ihre Handlungen meistens sind, gibt es trotzdem viele Momente, in denen man sich ernsthaft fragen muss, ob sich die Hauptfigur nicht selbst ins Gefängnis bringt. Dabei ist McDormand in ihrer Rolle so überzeugend, dass es schwerfällt, sie sich einmal lächelnd vorzustellen. Nicht umsonst ist sie bereits für diese Leistung mit dem Golden Globe als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden und gilt als heiße Kandidaten für den diesjährigen Oscra in der gleichen Kategorie. McDormand erhielt diesen bereits für ihre Rolle in „Fargo“ im Jahre 1997.

Begleitet wird sie von dem grandiosen Woody Harrelson, insbesondere bekannt aus der Serie „True Detective“, und dem Anti-Helden des Films, Sam Rockwell. Beide Männer sind für ihre Darstellungen ebenfalls für den diesjährigen Goldjungen nominiert. Vier Golden Globes (Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin und Bester Nebendarsteller) konnte der Streifen bereits gewinnen – mit insgesamt sieben Nominierungen ist er auch beim Rennen um den Oscar ganz vorne mit dabei.

So oder so lohnt sich der Weg ins Kino. Liebhaber von schwarzen Komödien wie „Sterben für Anfänger“ (britisches Original von 2007) werden sicherlich vollends auf ihre Kosten kommen. Prädikat: sehr wertvoll.