Die Bildungselite, die keiner braucht?

Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Studium, während immer weniger eine Ausbildung machen wollen. Das scheinbare Problem heißt „Überakademisierung“. Ist die Generation Y etwa zu gut ausgebildet? Und ist der nachfolgenden Generation deshalb vom Studieren abzuraten?

Bildungselite, die keiner braucht?
Immer mehr Akademiker: ein Studium zu absolvieren, gehört für die jungen Menschen von heute fast zum guten Ton. Illustration: Manon Scharstein

Es gibt zu viele studierte Leute auf dem Arbeitsmarkt – zumindest, wenn man Christian Lindner glaubt. Mehrfach warnte der FDP-Chef im Wahlkampf vor einer vermeintlichen Überakademisierung und dem „Abitur für alle“. Auch die Handwerkskammern vieler Länder monieren, dass zu viele Jugendliche studieren wollen und dem Handwerk der Nachwuchs fehle.

Warum drängen also immer mehr Menschen an die Hochschulen und wo liegt dabei eigentlich das Problem? Die erste Frage lässt sich schnell beantworten: Mit einem Studienabschluss in der Tasche verdient man ganz einfach mehr Geld als beispielsweise im Handwerk. Zudem ist die Aussicht auf Arbeitslosigkeit geringer. Und sicherlich hat die Entscheidung für ein Studium auch mit unserer Sozialisation zu tun. Wohl den meisten der heute 20- bis 35-Jährigen wurde seit der Kindheit eingebläut, wie wichtig es ist, Abitur zu machen, um später einen guten Beruf zu erlernen. Dass es auch gute Berufe gibt, für die man weder Abi noch Studium braucht, hatten die meisten wohl lange Zeit gar nicht auf dem Schirm. Mal ehrlich: Wem wurde nicht erzählt, dass er oder sie alles Mögliche erreichen kann und auch soll?

Macht einfach, worauf ihr Lust habt!

Problematisch wird es für uns, wenn wir dann mit der harten Realität auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert werden. Konkurrenzdruck, Befristung und prekäre Bezahlung lassen einen plötzlich erkennen, dass man nichts Besonderes ist – trotz Eliteuni und Auslandspraktikum. Aber wären wir heute weniger enttäuscht, wenn uns schon zu Schulzeiten ein Christian Lindner gesagt hätte, dass wir lieber nicht studieren sollen?

Vielleicht liegt das Problem ja auch genau darin, dass wir uns in der Vergangenheit zu oft haben leiten lassen von Prognosen aus Politik und Wirtschaft oder den Ratschlägen der Eltern und LehrerInnen, statt herauszufinden, was wir eigentlich können und wollen. Zumindest der Statistik nach gibt es weder ein signifikantes Überangebot an AkademikerInnen noch ein Unterangebot an Auszubildenden. Qualifizierte Fachkräfte, ob nun studiert oder nicht, haben gerade gute Chancen auf einen Job. Um diese optimal zu nutzen, braucht es ein Bildungssystem, in dem alle SchülerInnen die Möglichkeit haben herauszufinden, was ihnen Spaß macht und wo ihre Stärken liegen. Ganz ohne Fremdbestimmung und Erwartungsdruck. Dann wäre der nächsten Generation nur noch folgendes mit auf den Weg zu geben: Macht am besten das, worauf ihr Lust habt.