Dachdecken ist sein Gesetz

Was tun, wenn einem das Studium zu viel oder zu eintönig wird? Alles hinter sich lassen und das Risiko eingehen, seine Entscheidung am Ende doch zu bereuen? Einer, der es gewagt hat, ist Tobias Stopp. Er studierte Jura und ist jetzt Inhaber eines Dachdeckerbetriebs.

Tobias Stopp
Tobias Stopp wollte Jurist werden, hat sich dann aber für einen Handwerksberuf entschieden. Foto: privat

Spree: Wieso hast du dich damals für das Jurastudium entschieden?

Tobias Stopp: Ich dachte, das wäre etwas, womit man später Geld macht und was vielleicht Spaß machen könnte. Aber ich habe schon während des Studiums gemerkt, dass dem nicht so ist. Am Anfang war es noch super interessant, aber irgendwann wurde es einfach nur unglaublich langweilig. Es gab ein paar Fächer, die waren super spannend. Ich habe Rechtsgeschichte als Schwerpunkt gehabt und das war wirklich cool. Aber später habe ich gesagt, ich lerne Dachdecker, weil ich schon während des Studiums in einer Dachdeckerei gejobbt habe und dann dachte, dass mir das eigentlich viel mehr Spaß bereitet.

S: So eine Entscheidung gegen das Studium fiel doch aber bestimmt schwer.

TS: Nö, das ist mir nicht schwergefallen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sagt: „Jetzt mach ich was, was mir Spaß macht“. Es ist nur schwer, wenn man dann mit Ende 20 nochmal in die Berufsschule geht und dort zwischen 16-Jährigen sitzt. Aber ansonsten ist mir die Entscheidung nicht schwergefallen.

S: Hast du deinen Studienabbruch jemals bereut?

TS: Manchmal habe ich es schon bereut, aber das hatte dann nichts mit dem Studium zu tun. Es gibt andere tolle Berufe und dann denkt man sich: „Oh, hätte ich nur mal das oder das gemacht.“ Aber wirklich bereut habe ich es nicht. Ich habe einen extrem stressigen Job, und es gibt hier auch oft Ärger, sei es mit Mitarbeitern oder Kunden. Aber so etwas hat man in jedem Beruf. Und manchmal macht meine Arbeit auch Spaß. Für mich war es die richtige Entscheidung, aber eben auch, weil ich eine Affinität für das Handwerk habe.

S: Und wie hat dein Umfeld reagiert, als du dein Studium an den Nagel gehängt hast?

TS: Gegenwind bekam ich von Freunden aus dem Studium. Die fanden das total schlimm und konnten sich überhaupt nicht vorstellen, wie man so etwas nur machen kann. Man würde sein Leben in die Tonne treten. Aber von den, ich sage mal „Nicht-Akademiker-Freunden“, haben eigentlich alle gesagt, dass ich die Ausbildung machen soll.

S: Hat dir das Studium rückblickend trotz alledem etwas gebracht?

TS: Auf jeden Fall. Es geht ja auch nicht nur darum, diesen Abschluss zu machen. Das Studium erweitert deinen Horizont und die Lebenserfahrung. Das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber diese ganzen Parties und das alles, was man da mitnimmt, das fehlt den Leuten, die direkt nach der Schule in die Lehre gehen. Man bekommt ein ganz anderes Lebensgefühl.

S: Wie lautet deine Empfehlung für junge Menschen, die auf der Suche nach der passenden Karriere sind?

TS: Ich würde den Leuten sagen: „Guckt euch ein Studium für ein paar Semester an und dann sucht euch einen Beruf aus, der euch Spaß macht.“ Es ist egal, ob man damit Geld machen kann oder nicht. Der monetäre Aspekt sollte eigentlich immer im Hintergrund stehen. Und das Umfeld sollte man da auch komplett außenvorlassen. Ich kann nur jedem empfehlen, das zu machen, was einem Spaß macht. Ganz egal in welchem Bereich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man diesen Job noch 40 Jahre machen muss. Ich wusste für mich, ich will diese Jahrzehnte als Handwerker verbringen.