Campus of Cards

Von vielen herbeigesehnt, bei einigen verpönt: Die neue Campus Card ist da und ersetzt die alten Papierscheine. Welche Informationen sind auf der Karte gespeichert? Und wie sicher sind die Daten auf dem neuen Studiausweis?
Campus of Cards
Papierfetzen ade: Die neue Campus Card hält Einzug an der FU Berlin. Bildmontage / Icon erstellt von Freepik / www.flaticon.com

Wenn nach den frühen Vorlesungen der Bauch knurrt, ist Zeit fürs Mittagessen. Ab 12 Uhr kommen Studierende der Freien Universität deshalb in Scharen zur Mensa II in das Hauptgebäude. Anstatt sich am Buffet anzustellen, warten derzeit viele an sperrigen Metallkästen vor der Kantine. Auch die Erstsemester der FU müssen von nun an ihre Studierendenausweise an Automaten frisch bedrucken.

Obwohl eine praktische Studikarte lange herbeigesehnt wurde, freuen sich nicht alle über die Abschaffung der Papierausweise. „Einige Leute denken, dass wir alles Mögliche auf der Karte speichern“, weiß Dr. Tamás Molnár. Er leitet das Sercive-Zentrum der Humboldt-Universität, das sich an sechs Berliner Hochschulen um die Campus Card kümmert.

Alles automatisch

Nach der Immatrikulation erhalten alle neuen Studierenden per E-Mail einen individuellen QR-Code. Diesen liest der Automat als 25-stellige Zahlenfolge. „Aus Datenschutzgründen beinhaltet der Code keine persönlichen Daten wie Geburtsdatum oder Matrikelnummer“, stellt Molnár klar. Die zufällig generierten Zahlen ermöglichen den anonymisierten Zugriff auf die Druckdaten.

Im Hintergrund verbindet sich der Computer mit dem Verwaltungssystem, das verschlüsselt auf die Datenbank der jeweiligen Hochschule zugreift. Dem Code jeder ausstehenden Campus Card ist dort eine Spalte zugewiesen: Name, Geburtsdatum, Matrikelnummer, Foto vorhanden oder nicht. Gegebenenfalls nimmt der Automat ein Bild auf und packt anschließend alles auf den Ausweis.

Mit dem Druck auf die leere Karte verlassen die Daten die Tabelle praktisch durch den Ausgabeschacht des Automaten. Der QR-Code wird danach ungültig und samt zugewiesenem Datensatz gelöscht. Zuletzt wird vermerkt, dass die Campus Card einer bestimmten Matrikelnummer aktiv ist. Molnár versichert, dass das System keine persönlichen Daten speichert.

Sauber und sicher

Auf dem Mensa-Tablett schützt das Plastikmaterial die Ausweise vor Soßen- und Dressing-Flecken. Auch die Kassenschlangen werden kürzer, da Bezahlkarte und Studierendenausweis nicht mehr einzeln vorzulegen sind. Wie bei der Mensakarte ist das Geld auf dem Chip der Campus Card gespeichert. Die abgedruckten Informationen bleiben dem internen Speicher dennoch fern.

Trotz des Lichtbilds kennt die Mensa von uns also nur eine Nummer. „Am sichersten ist es, wenn Sie die Seriennummer auf der Rückseite notieren“, erklärt Molnar. An der Mensakasse kann damit das Guthaben einer verlorenen Karte auf eine neue übertragen werden. Ansonsten ist das Geld weg, das wie Schließfach und Bibliotheksausweis einen eigenen Unterordner im Speichersystem des Chips hat.

Das Bibliothekspersonal sei von der Umstellung begeistert: „Barcodes auf Papier waren eine Katastrophe“, lacht Molnár. Während seiner Unizeit habe er die Papierausweise ebenso gefaltet. Beschädigte Strichcodes sind jetzt Probleme von gestern. Um Ausleihmissbrauch zu verhindern, sollte die PIN geändert werden. Standardmäßig ist diese die eigene Postleitzahl.

Wie immer eine Kostenfrage

Kaum vorzustellen, dass Chipkarten und Automaten langfristig günstiger als Papier sind. Aufgrund des VBB-Hologramms war die Lagerung der Ausweise ein Risiko. Da jedes Semesterticket 198,80 Euro kostet, mussten die gelieferten Paletten in eigenen Räumen gesichert werden. An den großen Unis seien das laut Molnár bis zu 4 Millionen Euro gewesen, die dort zeitweise lagen.

Im Rohzustand sind die Plastikkarten nicht viel wert. An den Automaten gelangen sie dann direkt in die Hände der Studierenden. Durch das selbständige Abholen würden zudem Versandkosten im sechsstelligen Bereich gespart. Postalisches Verschicken erfordere darüber hinaus mehr Personal oder noch teurere Maschinen zum Aufkleben der Karten – ein Grund mehr für die Automatenlösung.

Ohne befestigte Karten würden die Studierenden nur zerrissene Umschläge erhalten. Die maschinelle Sortierung bei der Post laufe mit bis zu 100 km/h. Aus diesem Grund kann die Verpackung dem Gewicht der Ausweise nicht standhalten. Molnár fügt hinzu: „Manche Unis lassen die Karten zu Semesterbeginn auch von studentischen Hilfskräften im Akkord aufkleben.“

Gelungene Teamarbeit

Langzeitstudierende würden Molnár wohl schmunzelnd zustimmen: „Die Papierausweise haben kaum ein Semester ohne Risse und Knitter durchgehalten.“ Alle Hochschulen teilten dieses Problem, hatten alleine jedoch zu geringe Finanzmittel. „Deshalb haben wir uns zusammengeschlossen und ein gemeinsames System entwickelt“, sagt der Leiter des Campus-Card-Supports.

Als fünfte Hochschule führte die Freie Universität die Campus Card im Wintersemester 2017/18 ein. Nach und nach verschickt nun auch die Humboldt-Universität die Abholcodes. Weitere staatliche wie konfessionelle Hochschulen wollen folgen. „Gerade arbeiten wir an übergreifend nutzbaren Bibliotheksausweisen“, berichtet Molnár.

Bei Bibliotheken anderer Hochschulen mussten sich Studierende bisher zusätzlich registrieren. Das soll künftig vorbei sein. Geplant ist die Umsetzung bis Ende der Finanzierungsperiode 2020. So wären uns mehr Bücher und Lernorte zugänglich – ohne erneut persönliche Daten preisgeben zu müssen.


Noch misstrauisch? So wirst du die Campus Card los

Vielleicht denkst du: „Datenfreie Karte? Wer’s glaubt!“ Wer der Datensicherheit der Campus Card nach wie vor nicht traut, kann dem Studiausweis den Kampf ansagen! Verzichte auf den Berliner Öffi-Stress, schwere Klausuren, dicke Leihbücher und vergünstigte Kinobesuche. Die Spree zeigt dir drei Möglichkeiten, wie du die Campus Card vernichten kannst.*

1. Nimm die Campus Card mit zum MRT

Zu dem Speicherchip ist eine Antennenschleife in die Karte eingebaut. In diesem Schaltkreis erhält der Chip seinen Strom. Schickt der Arzt dich also mal zum MRT (Magnetresonanztomographie), brauchst du die Karte lediglich in die Hosentasche stecken. Die starken Magnetfelder erzeugen genügend Spannung, dass der Chip kaputt geht. Da die Karte außerdem sehr warm wird, beginnt sie zu schmelzen.

2. Heiß oder kalt

Schmelzen kann die Karte sowieso an jedem heißen Ort wie im Backofen oder im Sommer hinter der Windschutzscheibe eines Autos. Gibt es hingegen Schnee, kann die Karte dort abgekühlt und danach schnell ins Warme gebracht werden. Mit der Zeit wird der Kunststoff spröder und bricht leicht. Wird die Antennenschleife dabei beschädigt, ist die Karte unbrauchbar. Insbesondere für ältere Campus Cards bedeuten extreme Temperaturschwankungen das Todesurteil.

3. Bügel den Streifen

Um das Semesterticket jedes halbe Jahr erneut zu validieren, wird der Streifen auf der Rückseite durch Hitze bedruckt. Mithilfe eines Bügeleisens kannst du testen, ob der schwarze Aufdruck verschwindet. Ohne großen Aufwand wirst du den Streifen dabei für immer zerstören.

* Falls du die Trennung von deiner Campus Card im Nachhinein bereust, kannst du für 10,23 Euro einen neuen Studierendenausweis beantragen.